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Der Amnesty-Gründer: Peter Benenson

Hier findest du einige grundlegenden Informationen zur Geschichte von Amnesty, international und in Aschaffenburg.

Ein Toast auf die Freiheit

Vor mehr als 55 Jahren zündete Peter Benenson eine Kerze an und wusste damals noch nicht, dass dies der Beginn einer weltweiten Bewegung sein sollte. In West-Deutschland gehörte Gerd Ruge zu den Gründerinnen und Gründern der deutschen Amnesty-Sektion. Im Interview erinnert er sich an die ersten Jahre.

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Am Anfang von Amnesty International steht ein Trinkspruch: Zwei portugiesische Studenten stoßen in einem Café in Lissabon auf die Freiheit an. Doch in den Sechzigerjahren herrscht in Portugal eine Diktatur, die keine Kritik duldet – die Erwähnung des Wortes „Freiheit“ ist verboten. Die zwei Studenten werden festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt.

1.500 Kilometer entfernt fährt der 39-jährige Anwalt Peter Benenson im November 1960 mit der Londoner U-Bahn in seine Kanzlei, als er in der Zeitung eine Meldung über das Urteil gegen die beiden Portugiesen liest. Es ist nicht das erste Mal, dass er erfährt, dass Menschen wegen ihrer Gesinnung verfolgt und eingesperrt werden. Doch die Meldung aus Lissabon geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Benenson will nicht mehr länger über solches Unrecht lesen, er will etwas tun. Er weiß nur noch nicht, wie. Aufgewühlt läuft er durch die Straßen Londons. In der Kirche St. Martin in the Fields kommt ihm der Gedanke:

„Wenn eine einzelne Person protestiert, bewirkt das nur wenig, aber wenn es viele Leute gleichzeitig tun würden, könnte es einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.“

Am 28. Mai 1961 veröffentlicht er in der Zeitung „The Observer“ den Artikel „The Forgotten Prisoners“, der mit den Worten beginnt: „Schlagen Sie Ihre Zeitung an irgendeinem beliebigen Tag auf, und Sie werden eine Meldung aus irgendeinem Teil der Welt lesen: Ein Mensch ist eingekerkert, gefoltert, hingerichtet worden, weil seine Ansichten oder religiösen Überzeugungen nicht mit denen der Regierung übereinstimmen.“ Benenson fordert die Leserinnen und Leser auf, mit Appellschreiben öffentlichen Druck auf die Regierungen zu machen und von ihnen die Freilassung politischer Gefangener zu fordern. Dieser „Appeal for Amnesty“ ist der Beginn von Amnesty International.

Die Resonanz ist überwältigend. 30 große Zeitungen in verschiedenen Ländern drucken den Artikel nach. Allein in den ersten Wochen melden sich mehr als Tausend interessierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Im Juli 1961 wird beschlossen, die ursprünglich auf ein Jahr angelegte internationale Kampagne in eine feste Organisation zu verwandeln. Am Ende des Jahres gibt es Sektionen in West-Deutschland, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Australien und den USA. Im September 1962 wird auf dem internationalen Treffen in Brügge endgültig der Name „Amnesty International“ für die noch junge Organisation festgelegt.

Heute ist Amnesty eine weltweite Bewegung, die in über 150 Ländern vertreten ist. Über sieben Millionen Mitglieder, Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Aktivistinnen und Aktivisten setzen sich dafür ein, dass auch 50 Jahre nach Benensons Appell die politischen Gefangenen dieser Welt nicht vergessen werden.

Amnesty in Aschaffenburg

Heute sind es zwei Handvoll engagierter Menschen aus Aschaffenburg, die sich aktiv in einer lokalen Gruppe, wie es sie in vielen Städten gibt, dem Schutz der Menschenrechte widmen. Einige sind schon lange dabei, andere noch relativ neu. Die Gruppe Aschaffenburg, so klein sie scheinen mag, ist lebendig und engagiert. Ihre Mitglieder freuen sich immer über neue Gesichter, ebenso wie über Förderer oder Spender.

Die Gruppe Aschaffenburg blickt auf eine beachtliche Geschichte zurück. Im Januar 1971, also zehn Jahre, nachdem Rechtsanwalt Peter Benenson in London die Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International ins Leben gerufen hatte, wurde sie gegründet.

Acht junge Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren trafen sich damals in der Gaststätte Freihof, um weltweit für Toleranz und Humanität zu kämpfen. Üblich für die Gruppenarbeit war früher die Adoption von drei politischen Gefangenen aus den drei Blöcken der Welt, dem Westen, dem Osten und den Blockfreien. In Portugal, Spanien und Griechenland herrschten in diesen Anfangsjahren noch Diktaturen und es gab Folter in Europa. Mit Informationsständen am Herstallturm, Vorträgen und Konzerten im Bachsaal und im Evangelischen Jugendzentrum, Kunstauktionen in Galerien und Haussammlungen mobilisierte die Gruppe Unterstützung für die Gefangenen und ihre Familien. Volkshochschulleiter Fritz Oswald hielt Dichterlesungen und stellte der Gruppe für ihre Treffen auf Dauer einen Raum in der VHS zur Verfügung.

Im Laufe der Zeit kam es zu einem Wandel und zu neuen Aufgaben für Amnesty International als der weltweit größten Menschenrechtsorganisation. Unsere Kontakte mit Pfarrer Josef Otter, der für die Ärmsten in Kolumbien gearbeitet hatte, und mit dem evangelischen Pfarrer Rainer Gollwitzer in der Aschaffenburger Friedensbewegung führten zu ökumenischen Gottesdiensten und 1983 mit der Stadt Aschaffenburg zum ersten Fest „Brüderschaft der Völker“, das bekanntlich noch heute lebendig ist. Unsere Gruppe wuchs an auf rund 30 Mitglieder. Unter dem Zustrom von Flüchtlingen aus der Türkei bildete sich ein Asylarbeitskreis mit Sprechstunden in den Räumen des türkischen Arbeiter-, Jugend- und Sozialvereins in der Badergasse.  Ein Höhepunkt war die  Podiumsdiskussion vor breitem Publikum mit dem Frankfurter Asylexperten Reinhard Marx auf dem Volksfestplatz zum Auftakt des Brüderschaftsfestes.

2009 bildete sich in Aschaffenburg eine Amnesty-Jugendgruppe und startete mit einem furiosen Rapkonzert im Jukuz. Diese Jugendgruppe gibt es heute leider nicht mehr. Aber wer weiß: das alles kann sich ja auch wieder ändern…

 

13. April 2019